Fatma B.: Hennamond.
Peter Hammer Verlag 1999, Paperback, 233 S.; 24,80 DM=12,68 €( ) In "Hennamond" hat die Kurdin Fatma B. ihre Lebensgeschichte von der Kindheit in einem kurdischen Dorf bis zu ihrer Heirat mit einem Deutschen aufgeschrieben. Was das Buch so interessant macht, ist der authentische Ton, das Gefühl, hier mittels der Literatur tatsächlich etwas über das Leben in drei Kulturen zu lernen - der kurdischen, türkischen und deutschen. An keiner Stelle z. B. taucht der Verdacht auf, es werde etwas aus propagandistischen Gründen anders dargestellt, als es tatsächlich ist. Die deutschen LeserInnen dürften durch die lebendigen Schilderungen nach der Lektüre klüger sein als vorher: z. B. werden die kulturellen Differenzen der verschiedenen gesellschaftlichen Systeme ebenso deutlich wie die Probleme der Geschlechterdifferenzen im Leben der KurdInnen. Es wird auch klar, welchen inhaltlichen Wandel ein Begriff wie "Ehre" durchmachen kann, welches Problem der Zeitbegriff darstellt und wie sich die ersten Eindrücke einer Kurdin in Deutschland prägen.Im Vorwort schreibt Ute Daniel, Geschichtsprofessorin in Braunschweig: "Fatmas Geschichte ist trotz der harten und nicht selten brutalen Lebensverhältnisse, von denen sie erzählt, eine Geschichte der Freude am Leben. Vielleicht ist sie das auch gerade wegen dieser starken Kontraste: Es ist die Geschichte einer Frau, die keine Angst vor der Angst hat." |
Werner Sohn/Herbert Mehrtens (Hrsg.): Normalität und Abweichung. Westdeutscher Verlag 1999, Paperback 289 S.; 59,80 DM=30,58 €( ) Im November 1998 fand in Braunschweig ein Symposium "Räume und Weisen der Normalisierung um 1900" statt. Das Buch vereinigt die überarbeiteten Beiträge hierzu. Der Terminus "Normalisierungsgesellschaft" stammt von Michel Foucault, der ihn für die gesellschaftliche Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert benutzt. Der Begriff der "Normalität" ist für uns "normal", aber er ist etwas gesellschaftlich und historisch Gewordenes. "Normal" definiert sich im Gegensatz zu "abweichend", aber was heißt das? Im Buch werden verschiedene Konzepte der "Normalisierung" sowie historische Entwicklungen bezüglich industrieller Produktion, Geschlechterdifferenzen und Normierungsverfahren dargestellt. Der Bezug zu Foucault ist in diesen Zusammenhängen natürlich fast ständig gegenwärtig, aber durchaus nicht unkritisch. So stellt Werner Sohn z. B. fest, dass die Foucault´sche Analyse der Normalität einen fragmentarischen Charakter hat und eine komplexe Analyse noch aussteht, wobei Sohn eine zentrale Problemstellung benennt: "Eine solche Analyse ist allerdings nicht unbeschwerlich, da es für uns Menschen, die wir in modernen Gesellschaften sozialisiert sind, weitgehend selbstverständlich ist, auf der Matrix der historisch geschaffenen Normalität zu denken, zu fühlen, zu handeln und zu urteilen."
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