Klaus Kordon: Hundert Jahre & ein Sommer. Beltz & Gelberg 1999, Hardcover 392 S.; 36,00 DM=18,41 €( ) Kaum jemand schildert Geschichte mit Geschichten für jung und alt so anschaulich wie Klaus Kordon. Ob es "Die roten Matrosen" sind oder "Die Geschichte von Jette und Frieder" 1848, stets wird Historisches lebendig. "Hundert Jahre & ein Sommer" beginnt sozusagen in der Jetztzeit, kurz vor dem Ende des 20. Jahrhunderts. Die Studentin Eva Seemann schreibt einen langen Brief an ihre bereits vor über 50 Jahren verstorbene Ururgroßmutter Hermine. Dabei weiß Eva so gut wie nichts über diese Hermine, sie besitzt lediglich ein Foto von ihr. Im Brief schreibt Eva über ihren Großvater Robert, also Hermines Enkel. Robert war in der DDR ein gefeierter Schriftsteller und lebt immer noch in Berlin in dem Haus, in dem auch Hermine als Dienstmädchen arbeitete. Das Haus steht in der Torstraße 127, und jetzt soll es abgerissen werden. Aber dieses Haus ist mehr als ein bloßes Gemäuer. Es ist ein Haus der Geschichte. Der Schriftsteller Robert und die Studentin Eva versuchen nun mit einer Gruppe weiterer junger Leute, den Abbruch zu verhindern. |
Regina Löneke/Ira Spieker (Hrsg.): Reinliche Leiber - Schmutzige Geschäfte. Wallstein Verlag 1999, Paperback 303 S.; 38,00 DM=19,43 €( ) In der historischen Wissenschaft spielen Daten, Personen, soziologische, ökonomische und politische Fakten die größte Rolle. Nur wenig Aufmerksamkeit wird dem "banalen" Alltagsleben entgegengebracht. Sicher nicht zuletzt aufgrund heutiger Moralvorstellungen. Die "Troubadoure" auf den so beliebten "mittelalterlichen Märkten" kleiden sich vielleicht wie ihre alten Vorgänger, aber sie riechen anders, haben vollkommen unterschiedliche Ausdrucksformen von Reinlichkeit und verrichten ihre Notdurft nicht in der Öffentlichkeit. Im vorliegenden Buch werden Körperhygiene und Reinlichkeitsvorstellungen in zwei Jahrhunderten unter die Lupe genommen. Hygiene und Reinlichkeitsnormen entwickeln sich korrespondierend zu gesellschaftlichen Veränderungen. Die Autorinnen beschreiben an konkreten Beispielen die Geschichte der Körperpflege, der Verrichtung intimer Bedürfnisse, der Menstruationshygiene, Schwangerschaftsverhütung, Krankheitsbekämpfung, Fäkalienentsorgung und Müllabfuhr. Der Wandel in den moralischen Vorstellungen ist evident - er wird sich beim Lesen nicht nur durch die Fakten bemerkbar machen.
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