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Buchtips Juli 1999
Belletristik
Sachbuch
Handke
Jacobs
Peter Handke:
Die Fahrt im Einbaum .
oder Das Stück zum Film vom Krieg
Suhrkamp 1999; 126 S.;
32,00 DM = 16,36 €(Wenn da kein Euro-Zeichen steht: Bitte auf EURO updaten!)
Handke zog sich den Zorn der Medien deswegen zu, weil er sich als ein "Großer" des etablierten Literaturbetriebs und nicht als ein Außenseiter laut und vernehmbar gegen den allgemein akzeptierten Mainstream stellte. Er war im Kosovo-Krieg einfach auf der falschen Seite. Die Rache des Feuilletons sollte nicht auf sich warten lassen, hatte Handke die Schreiberlinge doch an einem besonders wunden Punkt erwischt: dem Dämmern im Hinterkopf, daß es sich um die Presse eines kriegführenden Landes handelte und man es entsprechend mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen mußte. So wurde er mit der Waffe der Lächerlichkeit bekämpft: So einer muß einfach durchgeknallt sein, und schnell hing man ihm noch einige absurde Geschichten wie die Verleihung von Orden, die er gar nicht erhalten hatte, um.
In seinem Stück treffen sich zwei Regisseure im Hotel Acapulco in einem Provinzstadthotel des Balkan. Es handelt sich um den Amerikaner John O´Hara und den Spanier Luis Machado, die einen Film über den vor einem Jahrzehnt stattgefundenen Krieg in dieser Region drehen wollen. Zunächst sollen die Darsteller ausgewählt werden, und so treten in der Halle des Hotels Akteure auf, die die unterschiedlichen Meinungen und Schuldzuweisungen äußern. Das Ergebnis ist: Die beiden Regisseure beschließen, die Produktion abzubrechen.
Ursprünglich aus Anlaß des Bosnien-Konflikts geschrieben, brauchte Handke das Stück nur wenig zu aktualisieren.
Ron Jacobs:
Woher der Wind weht...
Eine Geschichte des Weather Underground
ID Verlag 1999; 192 S.;
29,80 DM = 15,24 €(Wenn da kein Euro-Zeichen steht: Bitte auf EURO updaten!)
Die Geschichte der Stadtguerillagruppe "Weathermen" ist hierzulande so gut wie unbekannt. Nun gibt es eine Übersetzung aus dem Amerikanischen; ein Buch von Ron Jacobs, welches die Entstehung und Entwicklung der Gruppe ausführlich schildert, versehen mit einer Chronik, Kurzbiographien und Dokumenten. Der Name "Weathermen" leitet sich her aus einem Song von Bob Dylan. Schon dies weist auf eine gewisse Verflechtung mit der amerikanischen Subkultur hin, und in der Tat spielen etwa das Woodstock-Festival oder die Befreiung des "Drogenprofessors" Timothy Leary aus dem Gefängnis eine nicht unerhebliche Rolle.
Die Weathermen entstanden aus einer Spaltung des amerikanischen SDS ("Students for a Democratic Society") im Jahre 1969, auf dem Höhepunkt des Vietnam-Krieges. Weathermen betrachtete die Situation in den USA als vorrevolutionär und ging innerhalb kurzer Zeit zielstrebig in die Illegalität, von wo aus spektakuläre Angriffe wie auf das Capitol oder das New York City Police Headquarter gestartet wurden. Während der "Tage des Zorns" wurde im Oktober 1969 in Chicago sogar der offene Schlagabtausch mit der Staatsmacht gesucht. Das revolutionäre Subjekt war nach Ansicht der Weathermen nicht mehr die ArbeiterInnenklasse, sondern die Jugendlichen. In ihrem Verhältnis zur Black Panther Party – welche sie als Verbündete betrachteten – kam ein grundsätzlicher Unterschied in der gesellschaftlichen Position als "Schwarzer" oder "Weißer" zum Tragen: Den Panthers ging es um Verteidigung, Weathermen um Angriff. In den 80er Jahren kam dann, wie in anderen Ländern mit ähnlichen Organisationen, das Ende der Gruppe. Ron Jacobs schildert in erfrischend zu lesender Weise nicht nur die Geschichte der Weathermen, er beleuchtet auch die Knackpunkte innerhalb der amerikanischen Linken oder das Verhältnis zur Frauenbewegung. Es ist sein Verdienst, ein bisher vollkommen unterbelichtetes Kapitel der 68er- und daraus folgender Bewegungen ein wenig zu erhellen.
Die Homepage von Ron Jacobs mit Link zum Guten Morgen Buchladen und natürlich Infos zur seiner Person und dem Buch.
Rezension in der jungen Welt.

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Last updated: 30.07.1999.