Hans H. Jahnn:
Das Holzschiff.
Steidl Verlag 1998; 251 S.; 20,00 DM = 10,21 €( )
Dies ist der erste, in sich geschlossene Teil der epischen Trilogie "Fluß ohne Ufer", 1949 zuerst veröffentlicht. Es geht um einen Komponisten, der seiner Verlobten als blinder Passagier auf einer Schiffsreise folgt. Aber das Ziel und die Fracht des Schiffes bleiben unbekannt. Die Verlobte verschwindet plötzlich. Das Schiff geht unter, als die Mannschaft versucht, dessen Geheimnisse aufzudecken. Der Komponist und ein Matrose, bei dem es sich um den Mörder der Verlobten handelt, überleben. Zwischen ihnen entspinnt sich eine Beziehung besonderer Art. "Fluß ohne Ufer" ist ein Meisterwerk deutscher Prosa dieses Jahrhunderts. Dem Steidl-Verlag ist zu danken, daß der zunächst den ersten (und hoffentlich demnächst den zweiten und dritten) Teil in einer preisgünstigen und schönen Ausgabe herausbringt. Hans Henny Jahnn (1894-1959) war Dichter, Musikwissenschaftler, Orgelbauer und Landwirt. Er emigrierte 1933 nach Bornholm, wurde später in Hamburg Präsident der Freien Akademie der Künste und spielte auch politisch eine Rolle, indem er sich in den 50er Jahren entschieden für die Friedensbewegung einsetzte. Seine bisexuelle Lebensweise, die in seinen Romanen reflektiert wird, machte ihn in der Öffentlichkeit zu einem eher verruchten Autor. Stilistisch zwischen Joyce und Kafka angesiedelt, aber mit eindeutig eigenständiger Schreibweise, gehört er zu den größten, aber verkannten Autoren Deutschlands. Zu Lebzeiten stark umstritten, beginnt man in den letzten Jahren, ihn wiederzuentdecken. |
Mira Beham:
Kriegstrommeln. Medien, Krieg, Politik. dtv Taschenbuch 1996; 260 S.; 28,00 DM = 17,51 €( ) Dieses Buch aus dem Jahre 1996 haben wir vor einiger Zeit schon vorgestellt. Wir tun es nochmals, denn es scheint von Jahr zu Jahr aktueller zu werden. Natürlich kann der aktuelle Kosovo-Krieg in diesem Titel noch keinen Platz finden (aber sehr wohl die Konflikte um Kroatien und Bosnien-Herzegowina), doch die Rolle der Medien - und übrigens auch der deutschen Politik - wird hervorragend herausgearbeitet, und zwar in diesem Sinne: 1992 war die New Yorker Agentur Ruder Finn damit beschäftigt, die Öffentlichkeit gegen Serbien zu mobilisieren. 1993 erzählte der Direktor dieser Agentur im Zweiten Französischen Fernsehen: "Wir überlisteten drei große jüdische Organisationen... Das war ein großartiger Coup. Als die jüdischen Organisationen in das Spiel auf Seiten der bosnischen Muslime eingriffen, konnten wir sofort in der Öffentlichkeit die Serben mit den Nazis gleichsetzen. Mit einem einzigen Schlag konnten wir die einfache Story von den guten und den bösen Jungs präsentieren, die sich ganz alleine weiterspielte... Fast unmittelbar danach benutzten die Medien eine andere Sprache, mit sehr emotionsgeladenen Begriffen wie ethnische Säuberung, Konzentrationslager etc. - Begriffe, die man mit Bildern aus Nazideutschland und Auschwitz assoziiert. Wir hatten hundert Prozent Erfolg... Wir haben die Existenz der Todeslager in Bosnien nicht überprüft... Es gehört nicht zu unseren Aufgaben, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu prüfen. Unsere Aufgabe ist es, dienliche Informationen schneller zu verbreiten und sie an wohlüberlegte Zielgruppen weiterzuleiten." |